Dr. Oetjen - Tierarzt Ibiza - Fachartikel Hunde

Kopf- oder Kopf-Hals-Verband

Befinden sich an den Ohren oder auf der Haut im Nacken- und Halsbereich Wunden, verursacht durch Biss-, Schnitt- oder Stacheldrahtverletzungen, müssen Sie diese bis zum Tierarztbesuch mit einem Kopf- oder Kopf-Hals- Verband versorgen.
Das Problem bei dieser Art von Verletzungen besteht darin, dass der Hund permanent den Reiz verspürt, sich zu schütteln.
Sie können sich ausmalen, welche Folgen das für die direkte Umgebung des Hundes (Haus, Auto, Taxi, Praxis, etc) hat.

Grundsätzlich wird auch hier -wie bei allen anderen Verbänden- verfahren. Der einzige Unterschied besteht in der Art der Wicklung.
Ist nur ein Ohr verletzt, wird die Wunde abgedeckt, das Ohr parallel zum Kopf angelegt und der Verband mit der ersten Lage Watte begonnen, ohne das zweite Ohr mit einzuwickeln. Sind beide Ohren verletzt, müssen natürlich auch beide verbunden werden.
dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria29dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria31Bei Hunden mit „Stehohren“, legen Sie das Ohr nach oben am Kopf an, ohne es zu stark zu „knicken“. Bei Hunden mit „Schlappohren“, können Sie das Ohr sowohl nach oben als auch nach unten am Kopf anlegen.

In der Folge werden nun entsprechend elastische Binde und Tapeverband gewickelt, letzterer am Übergang Verband/Fell auf das Fell gelegt und angedrückt. Achten Sie darauf, dass Sie vor Anlegen des Tapeverbandes locker mit zwei Fingern unter den Verband kommen, um den Hals des Patienten nicht unnötig einzuengen und die Atmung dadurch zu erschweren.

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dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria39Wird nur ein Ohr eingebunden, kann der Verband auch bei stärkerem Schütteln des Kopfes nur schwer verrutschen. Ausserdem wird diese Art des Verbandes vom Patienten recht gut toleriert.

 

Wichtig auch bei diesem Verband: Im Falle eines Verrutschens, niemals versuchen, den Verband irgendwie mit irgendwelchem Material (Kordeln, Packpapier o.ä.) zu fixieren! Das Motto heißt: Runter und neu……

Der Kopf- oder Kopf-Hals-Verband sollte ebenfalls für maximal zwei Tage belassen werden. Bei größeren Verletzungen und/oder großflächigen Wundinfektionen ist es notwendig, ihn täglich zu wechseln.

Noch eine wichtige Bemerkung zum Verbandswechsel, falls Sie ihn allein daheim durchführen wollen/müssen:
Merken Sie sich, wie Sie das Ohr oder die Ohren beim letzten Verband am Kopf angelegt haben! Es passiert nicht selten, dass beim Aufschneiden des Verbandes mit der Schere, die Ohren massiv verletzt werden! Darum mein Rat: Immer den Verband an der Halsunterseite und unter  Fingerkontrolle aufschneiden!

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Brustverband

Größere Verletzungen im Brust- oder Bauchbereich müssen auf alle Fälle von Ihnen mit einem Verband erstversorgt werden. Auch hier verfahren Sie nach dem bereits bekannten Prinzip: Wundabdeckung, Watte, elastische Binde und Tape. Damit der Verband nicht verrutscht (Hunde mit großem, tiefem Brustkorb und relativ schmaler Taille, z.B. Dobermann), müssen die einzelnen Lagen des Verbandes auch den Schultergürtel mit einbeziehen. Das bedeutet, Sie legen den Verband in sogenannten Achtertouren an.

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Das hat zudem den Vorteil, dass der Hund seine Vorderbeine frei bewegen kann. Der Verband wird so leichter toleriert.

Auf Bild 5 und 6 ist gut zu erkennen, dass beim abschließenden Tape eine Hälfte auf den Verband, die andere Hälfte auf das Fell gelegt wird, um ein Verrutschen des Verbandes zu verhindern, zumindest aber zu erschweren.

Beim Bauchverband müssen Sie zusätzlich daran denken, dass beim Rüden Penis und Hoden nicht mit eingebunden werden.

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Druckverband

Der Druckverband, oder auch Knebelverband, kommt nur bei stark blutenden Wunden an der Rute, an den Vorder- und Hinterbeinen vom Ellbogen bzw. Knie abwärts, seltener am Bauch und an der Brust zur Anwendung. Oberstes Ziel dieses Verbandes ist es, eine bestehende Blutung zu stoppen, um weitere starke Blutverluste zu vermeiden und die Zeit bis zum Eintreffen beim Tierarzt zu überbrücken.

Am häufigsten sind traumatische Verletzungen (Tritt in eine Scherbe oder Glassplitter, Stacheldrahtverletzungen, o.ä.) Ursache für das zeitnahe und notwendige Anlegen eines Verbandes. Bei Verletzungen im Bereich der Pfote kann das Anlegen eines Pfotenverbandes (siehe Artikel Pfotenverband) schon ausreichend erfolgreich sein.

Eine stark blutende Wunde wird mit einer Wundkompresse (zur Not ist auch ein Taschentuch, oder ein Stück vom T-Shirt hilfreich) abgedeckt und in einem zweiten Schritt mit einer elastischen Binde umwickelt.

3_001 3_003Sind größere Venen oder gar Arterien unterhalb von Ellbogen oder Knie durchtrennt, können Sie durch Anlegen eines Knebelverbandes (mit Hilfe eines Stocks und einer Socke, einer Krawatte o.ä.) eine vorübergehende Blutleere (stoppen der Blutung) der Gliedmaße erreichen.

Dieser Verband kann etwa 2-3 Stunden auf der Wunde verbleiben, ohne dass Folgeschäden für die betreffende Gliedmaße entstehen. Nach dieser Zeit muss der Verband kurz gelockert werden, um eine kurzfristige Durchblutung zu gewährleisten. Der Zeitraum sollte ausreichen, um den nächst gelegenen Tierarzt aufsuchen zu können.

Noch ein Tipp: Bei Verletzungen im Pfotenbereich können zusätzlich Socken oder auch Plastiktüten als Abdeckung/Schutz des Verbandes dienen.

 

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Pfotenverband

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Hat sich Ihr Hund an der Pfote verletzt, ist es wichtig, schnell den geeigneten Verband anzulegen. Neben der Verbandstechnik ist vor allem die richtige Auswahl des Verbandsmateriales entscheidend. Grundsätzlich sollte ein Verband immer aus vier Komponenten zusammengesetzt sein:
– einer Wundabdeckung (fusselfreier Tupfer oder Wundkompresse)
– Polsterwatte
– elastische Binde (evtl. Mullbinde)
– Pflaster oder Tapeverband (ein etwas festerer Pflasterverband)

3_004Beim Pfotenverband ist höchstes Augenmerk auf das Abpolstern der Zwischenzehenbereiche inkl. der Daumenkralle/After- oder Wolfskralle zu legen. Das Polstern verhindert Druckstellen zwischen den einzelnen Zehen.

Nach dem Abdecken der Wundfläche wird die Pfote mit Watte und in einem weiteren Schritt mit einer elastischen Binde umwickelt.3_005

Wichtig ist dabei, dass sowohl die Watte als auch die Binde von oben nach unten abgerollt wird. Das erleichtert das Anlegen des Verbandes.

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Zum Abschluß wird ein Pflaster- oder Tapeverband angelegt. Um ein Abrutschen des Verbandes zu verhindern, wird eine Lage des Tapes zur Hälfte auf den bestehenden Verband, und zur anderen Hälfte auf das Fell gelegt und anschließend fest angedrückt.Zu fest angelegte Verbände können zu starken Stauungen im Bereich der Pfote führen, in der Folge Schwellungen, Schmerzen und Lahmheit der entsprechenden Gliedmaße verursachen sowie Abwehrverhalten und Benagen des Verbandes durch den Patienten nach sich ziehen. Abhängig von der Art der Wunde und/oder Verletzung sollte ein Pfotenverband maximal 2 Tage belassen werden. In Extremfällen ist es sogar erforderlich, den Verband täglich oder 2-3 mal täglich zu wechseln.

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Noch ein wichtiger Tipp zum Verband: sollte der von Ihnen angelegte Verband rutschen, versuchen Sie nicht, diesen durch noch mehr Verbandsmaterial oder gar mit Bändern/Packpapier o.ä. zu fixieren. Es gilt die Devise: runter mit dem Verband und neu anlegen. Das bietet zusätzlich die Möglichkeit, immer einen aktuellen zustand der Wunde und der Wundheilung zu bekommen.

 

 

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