Dr. Oetjen - Tierarzt Ibiza - Fachartikel Katzen

Kopf- oder Kopf-Hals-Verband

Hat sich Ihre Katze durch Biss-, Schnitt- oder Stacheldrahtverletzungen o.ä. Wunden an den Ohren oder der Haut im Hals- und Nackenbereich zugezogen, müssen Sie diese bis zum Arztbesuch mit einem entsprechenden Verband versorgen.
Grundsätzlich wird auch hier wie bei allen anderen Verbänden verfahren. Der einzige Unterschied besteht in der Wicklung des Verbandes.
Ist z.B. nur ein Ohr verletzt, wird die Wunde abgedeckt, das Ohr parallel zum Kopf angelegt und nun der Verband mit der ersten Lage Watte begonnen, ohne das zweite Ohr mit einzuwickeln. Sind beide Ohren verletzt, müssen natürlich auch beide in den Verband mit einbezogen werden.
dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria90 dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria87Anmerkung des Autors: Entschuldigen Sie bitte die verschiedenen „Katzenmodelle“, aber das Modell in schwarz war nicht ganz so geduldig beim Fotoshooting, sodass wir auf das Modell in ginger als Ersatzspieler zurückgreifen mussten.

Elastische Binde und Tapeverband werden entsprechend gewickelt, letzterer zum Abschluß mit einer Hälfte auf den Verband, mit der anderen Hälfte auf das Fell gelegt und festgedrückt. Achten Sie darauf, dass Sie vor Anlegen des Tapeverbandes locker mit zwei Fingern unter den Verband kommen, um den Hals des Patienten nicht unnötig einzuengen und die Atmung dadurch zu erschweren.
dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria88dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria89Wird nur ein Ohr eingebunden, kann der Verband auch bei stärkerem Schütteln des Kopfes nur schwer verrutschen. Zudem wird der so angelegte Verband von den kleinen Patienten recht gut toleriert.
Wird der Verband trotz allem Komfort von der Katze nicht gerne geduldet – was zugegebenermaßen nicht selten der Fall ist – muss zusätzlich noch ein Halskragen angelegt werden, der verhindert, dass die Katze sich den Verband mit den Pfoten abstreift.

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Pfotenverband

Bei diesem Verband ist höchstes Augenmerk auf das Abpolstern der Zwischenzehenbereiche inkl. der Daumenkralle zu legen. Das Polstern verhindert das Auftreten von Druckstellen zwischen den einzelnen Zehen. Nach dem Abdecken der Wundfläche wird die Pfote mit Polsterwatte und in einem weiteren Schritt mit einer elastischen Binde umwickelt (Anmerkung zur Technik: immer die Watte und elastische Binde vom oberen Teil des Beines zur Pfote bzw. zu den Zehen hin „abwickeln“. Das erleichtert das Anlegen des Verbandes). Zum Abschluß wird ein Pflaster- oder Tapeverband angelegt. Das stark klebende Material wird jeweils zur Hälfte auf den Verband, zur anderen Hälfte locker auf das Fell gelegt und anschließend fest angedrückt. Zu fest angelegte Verbände können zu starken Stauungen im Bereich der Pfoten führen; in der Folge Schwellungen, Schmerzen und Lahmheit der entsprechenden Gliedmaße nach sich ziehen, und am Ende zu Abwehrverhalten und/oder Benagen und Zerbeißen des Verbandes durch den Patienten führen. Ein Pfotenverband sollte nicht länger als 2 Tage belassen werden. Je nach Schwere der Verletzung kann es aber auch notwendig sein, den Verband täglich oder mehrmals täglich zu erneuern.
Noch ein Tipp: Falls der Verband kurze Zeit nach dem Anlegen rutscht, versuchen Sie niemals mit Bändern, Kordeln, Packpapier o.ä den Verband zu fixieren. Grundsätzlich gilt: runter und wieder neu. Das hat zudem den Vorteil, dass Sie jedesmal die Wunde sowie den Heilungsverlauf aktuell beurteilen und Komplikationen der Wundheilung erkennen und verhindern können.
dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria76dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria77dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria78

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Druckverband

Hat sich Ihre Katze doch einmal verletzt, so ist es sehr wichtig, schnell den geeigneten Verband anzulegen. Neben den Verbangstechniken ist vor allem die richtige Auswahl des Verbandsmaterials entscheidend. Grundsätzlich sollte ein Verband aus vier Komponenten zusammengesetzt sein:
–Wundabdeckung (fusselfreier Tupfer oder Wundkompresse)
–Polsterwatte
–elastische Binde (evtl. Mullbinde)
–Pflaster- oder Tapeverband (ein sehr fester Pflasterverband)
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Ja nach Art und Anlegen eines Verbandes unterscheiden wir generell zwischen einem Druck- oder Knebelverband. Der Druckverband kommt bei stark blutenden Wunden an Ohr, Rute, Vorder- oder Hinterbeinen vom Ellbogen bzw. Knie abwärts, seltener an Bauch und/oder Brust, zur Anwendung. Oberstes Ziel dieses Verbandes ist es, eine bestehende Blutung zu stoppen, weitere Blutverluste zu vermeiden und die Zeit bis zum Eintreffen beim Tierarzt zu überbrücken.
Die blutende Wunde wird mit einer Kompresse abgedeckt und in einem zweiten Schritt mit einer elastischen Binde umwickelt. Bei Verletzungen im Pfotenbereich können zusätzlich Socken oder Plastiktüten als Abdeckung des Verbandes dienen.
dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria73dr-stefan-oetjen-tierarzt-ibiza-clinica-veterinaria74Sind größere Venen oder gar Arterien unterhalb von Ellbogen oder Knie verletzt/durchtrennt, können Sie durch Anlegen eines Knebelverbandes (mit Hilfe eines Stockes und einer Socke, einer Krawatte, o.ä.) eine vorübergehende Blutleere/Blutstillung erreichen. DieserVerband kann etwa 2-3 Stunden auf der Wunde verbleiben, ohne das Folgeschäden für die betreffende Gliedmaße entstehen.
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Katzen füttern – Hilfe oder Leidenschaft

Da sitzen sie, so niedlich, so zart und fein wirkend. Katzen wecken den Beschützerinstinkt in uns Menschen. Und hier auf Ibiza leben viele Katzen frei. Man möchte Ihnen etwas Gutes tun. Füttern, Wasser geben. Gerade in der Sommersaison machen das viele Inselbesucher. Aber Vorsicht: Was im Moment das Leben der Tiere leichter macht, kann später ihren Tod bedeuten, sagt Tierarzt Dr. Stefan Oetjen.

Sie miauen erbärmlich, streichen um die Füße. Andere sitzen scheu in der Nähe und scheinen trotzdem dringend auf Futter zu hoffen. Wem geht da nicht das Herz auf, wenn die frei lebenden Katzen der Inseln auftauchen. Da fällt dann schon mal der eine oder andere Happen ab. Manchmal wird sogar regelmäßiges Füttern daraus.

Es ist gut gemeint, aber was hinter der momentanen Hilfe steckt, darf man nicht aus den Augen verlieren. Die meisten Katzen, die auf Ibiza frei leben, sind auch schon in Freiheit geboren. Sie sind nicht ausgesetzt. Im Prinzip gibt es hier drei Gruppen von Katzen, die uns begegnen:

1) Die besagten frei geborenen Katzen, sie sind in Freiheit aufgewachsen und können sich auch ohne fremde Hilfe ernähren, wenn sie gesund sind. Auf der Insel gibt es das gesamte Jahr hindurch reichlich Kleintiere zum Jagen.

2) Hauskatzen mit Freilauf. In vielen Häusern leben Katzen einfach mit. Sie gehen auf Tour, wenn sie wollen, und kommen zurück, wenn sie Hunger haben. Sie brauchen also auch keine Hilfe.

3) Ausgesetzte Hauskatzen. Anders als bei Hunden leben Katzen ziemlich anspruchslos in Wohnungen oder eben, wie unsere Kategorie 2, halb wild. Deshalb kommen ausgesetzte Hauskatzen, die sich in Freiheit nicht selbst ernähren können, so gut wie gar nicht vor. Und selbst reine Hauskatzen haben einen Jagdinstinkt und eine Kreativität, die sie fast sicher in Freiheit ernähren würden, denn das Nahrungsangebot ist wirklich groß.

Insgesamt müssen gesunde Katzen in Freiheit also eigentlich nicht gefüttert werden. Und bei kranken ist es in erster Linie wichtig, ihnen zu helfen, indem man sie zum Arzt bringt. Denn nur gefüttert ist es fraglich, ob sie sich erholen. Sicher ist aber, dass sie Krankheiten weiterverbreiten.

Und damit sind wir bei den Problemen und Folgen des Fütterns:

• Die Katzen vermehren sich stärker, das heißt, das Problem der vielen wildlebenden Katzen wird noch größer.

• Die größere Population sorgt noch mal dafür, dass mehr Katzen sich paaren.

• Krankheiten verbreiten sich durch die größere Population schneller und leichter.

• Vor allem Jungtiere und Katzenmütter werden vom Menschen abhängig. Fällt der Mensch plötzlich weg (abreisende Touristen, kein Weiterführen einer Futterstelle), bekommen sie Schwierigkeiten, sich allein zu ernähren. Jeden Herbst finden Menschen viele verendete Jungtiere.

• Kranke Katzen, die nur gefüttert, aber nicht medizinisch betreut werden, überleben länger und können ansteckende Krankheiten unter den gesunden Tieren schneller und weiter verbreiten.

Quelle Ibiza Heute: Link

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